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Giru - ein Abstecher abseits der Touristenpfade

veröffentlicht um 19.10.2012, 23:00 von Wilfried Schaffner   [ aktualisiert: 20.10.2012, 02:14 ]
Nach dem für unsere Verhältnisse langen Aufenthalt auf Magnetic Island haben wir uns gestern nach einer kurzen Rundfahrt in Townsville weiter in Richtung Süden aufgemacht. Die Zeit läuft, und auf einmal sind es schon über vier Wochen die wir unterwegs sind, und nur mehr drei Wochen Zeit die uns für die Rückfahrt nach Sydney bleiben. 

Eigentlich wollten wir die Nacht in einem Nationalpark etwas südlich von Townsville verbringen, der schöne Bushwalks und auch wieder Swimmingholes und Wasserfälle versprach. Doch haben wir die Ausfahrt verpasst und nachdem wir Ähnliches nun ja schon ein paarmal gesehen haben, beschlossen wir einfach weiterzufahren und wo anders Rast zu machen. Auch wollten wir heute viele Kilometer bis an die Whitsundaycoast fahren, also war es vielleicht gar nicht so schlecht einfach nur einen Nachtplatz ohne großartige Abenteuer zu suchen. 

Also befragen wir diesmal unsere Camping-Application am Telefon, die wir uns am Beginn unserer Reise für ein paar Dollar gekauft haben. Es handelt sich dabei um eine Art "Wikipedia" fürs Campen in Australien, das quasi von den Benutzern erweitert, verändert und dadurch stetig verbessert wird. Entschieden haben wir uns für einen "Freecamp" - also kostenlosen Campingplatz in der Stadt Giru. Genau das Richtige, war es sowieso schon später am Nachmittag und wollten wir doch gleich am Morgen wieder los, da brauchten wir keine großen Annehmlichkeiten - eine Toilette und kalte Dusche gab es dort, was braucht man schon mehr. 

Es war dann ein ganz interessanter Abstecher, da sich in Giru - wie wir gegoogelt haben - eine Zuckermühle (Raffinerie) befindet, und zwar jene die mit über 3 Millionen Tonnen die größte jährliche Zuckerrohrmenge in der südlichen Hemisphäre verarbeitet. Das wussten wir vorher noch nicht. Seit Cairns sind uns schon die vielen Zuckerrohrfelder aufgefallen und auch die Erntearbeiten die jetzt im vollen Gang sind, eine Raffinerie haben wir bis dato aber noch nicht gesehen. Und jetzt hatten wir gleich Gelegenheit neben einer Raffinerie zu campen. Eine ganz besondere Erfahrung. 

Da auch beinahe 400 Menschen in der Stadt wohnten, machten wir uns um die Lärm- und eventuelle Schmutzbelastung für eine Nacht einmal keine Sorgen, jedoch haben wir am frühen Morgen beschlossen, sicherlich nicht länger zu bleiben. Das monotone Getöse der Fabrik hätte man mit ein bisschen Fantasie auch für Rauschen des Meeres halten können, aber den süßlichen Duft, der sich schubweise verbreitete, der war definitiv von der Fabrik. 

Das Abendessen haben wir uns im sehr gepflegten Park der Stadt am BBQ gekocht während die Kinder sich am tollen Spielplatz austoben konnten. Am nächsten Morgen habe ich mir dann im hiesigen Cafe noch einen Kaffee gekauft um den Ort zumindest ein bisschen für die gratis Nacht zu unterstützen. Bei der ca. 10minütigen Wartezeit habe ich dann noch mehr über das Leben in der "Zuckerlstadt"  - wie Lea und Luisa sie liebevoll nannten - und die Fabrik erfahren. 

Und zwar ist die Fabrik nur von Mai bis Dezember in Betrieb, und dann sei es vorbei mit der Lärm- und Geruchsbelästigung. Ein positiver Nebeneffekt der Zuckerraffinerie ist, dass aus dem Abfall der Zuckergewinnung auch erneuerbare Energie gewonnen wird, die in das öffentliche Stromnetz eingespeist wird.  
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