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Der Kamel Mann

veröffentlicht um 23.09.2012, 04:57 von Wilfried Schaffner
Unsere erste Nacht auf queensländischem Boden haben wir sehr gut verbracht. Geweckt wurden wir mit einem herrlichen Sonnenaufgang und von unseren Kindern, die ab 5:45 keine Müdigkeit mehr kennen. Aber Morgenstund hat ja bekanntlich Gold im Mund. Und so nutzten wir die Zeit zum Frühstücken und dann für einen frühen Aufbruch. Doch wie so oft, wurde alles anders.

Als wir ins Auto stiegen und uns noch kurz von unseren Zelt-Nachbarn verabschiedeten, fragten uns diese: "Habt ihr den Kamel Mann schon gesehen?" Natürlich nicht. Somit machten wir uns auf die Suche. Was anderes war auch gar nicht mehr möglich, denn Luisa sagte (und teilweise schrie) nur noch: "Kamele! Kamele! Ich will Kamele sehn!"

Da der Ort Hebel ja nicht der größte ist (ca. 20 Einwohner) wurden wir auch schnell fündig und haben den Kamel Mann Klaus auf einer Wiese außerhalb des Ortes gefunden. Es stellte sich heraus, dass Klaus ein Deutscher ist, der 1966 nach Australien ausgewandert ist und anfang der 90er Jahre damit begonnen hat, durch Australien zu reisen. Angefangen hat er mit einem Fahrradl und ist damit nur mit dem Nötigsten durch den ganzen Kontinent geradelt. 

Vor 10 Jahren hat er sich 2 Kamele gekauft und spannte sie vor einen ausranchierten Suzuki. Damit zieht er noch heute durch Australien. Willi und Snowy heißen die beiden und sind sehr zahm und lieb. Klaus hat sie extra für uns von der Wiese geholt, damit wir, und vorallem die Mädels, sie streicheln konnten. Das war ein Erlebnis.

Ca. 10 Km schafft er pro Tag. 200 Liter Wasser hat er dabei, die sind aber nur für ihn, die Kamele brauchen nicht so viel. Im Sommer schaut er, dass sie so alle 6 - 10 Tage Wasser bekommen. Im Winter brauchen sie gar keins, denn da finden sie eh genug. Reisen tut er auf den sogenannten "Stock Routes", das sind die Routen die früher zum treiben der Rinderherden verwendet wurden. Das hat den Vorteil, dass diese auch regelmäßig Wasserstellen haben, von denen viele noch heute aktiv sind. 

Auf die Frage "Wie er diese Routen denn findet und ob es dafür Karten gibt", sagte er nur: "Karten? Sowas brauch ich nicht, dafür gibt es ja Google". Da hat er doch wirklich einen Laptop, Digital Kamera, Handy und einen mobilen Internet Stick dabei. Geladen wird das ganze über 3 Solar Panele, die er auf dem Dach von seinem Suzuki angebracht hat. Vor kurzem hat er sich auch einen eReader gekauft, der ist nämlich so praktisch, denn dann kann er beim Fahren die Zeit auch nutzen und lesen. 

Klaus hat übrigens auch angefangen ein Buch zu schreiben, doch seit über 10 Jahren ist er noch nicht über die erste Seite hinaus gekommen. Er hat im Moment dafür keine Zeit, denn es gibt immer so viel zu tun!


Wer noch mehr über Klaus wissen will, findet hier ein paar interessante links:

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