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Am südlichen Ende des Great Barrier Reef angelangt

veröffentlicht um 28.10.2012, 16:13 von Wilfried Schaffner   [ aktualisiert: 28.10.2012, 16:48 ]
Freitag vormittag ging es von Rockhampton weiter in Richtung Agnes Water und die Stadt "1770" die ihren Namen von der dortigen Landung James Cooks mit seiner Endeavour im selbigen Jahr. Es war der erste Landungsort in Queensland von Cook und seiner Besatzung. Noch heute besteht der Ort selber aus kaum mehr als einem Hafen, doch haben sich mittlerweile schon ein paar Restaurants, Hotels und Campingplätze angesiedelt, um vom steigenden Tourismus der letzten Jahre zu profitieren.

Lange Zeit waren Agnes Water und 1770 "off the beaten track", lagen sie doch etwa 60 Kilometer abseits des Highways und hatten es die meisten Reisenden schon eilig entweder an die nicht mehr weit südlich gelegene  Fraser Island Coast, oder die nördliche Capricornküste zu gelangen. Wer jedoch den Umweg gemacht hat, den hat es sicherlich nicht gereut, zumindest wir sind ganz begeistert von der Gegend. 

Das Zelt haben wir am "Workmansbeach" aufgeschlagen, der Campinganlage von der Gemeinde, der etwas günstiger als die Caravanparks ist, dafür aber neben einer "Biotoilette" und kalten Dusche auch nicht viel Comfort zu bieten hatte. Das Campingareal war aber wunderschön mit Palmen und anderen Pflanzen dicht bewachsen, sodass wir einen ganz "privaten" Zeltplatz im Busch hatten. Zum Strand waren es keine 5 Minuten und dieser war auch richtig abgelegen und wenig besucht weil er mit dem Auto nicht zu erreichen ist. Wir haben uns so richtig wohlgefühlt, wie im Paradies, und schon überlegt ob man nicht hier für immer bleiben könnte...

Von 1770 aus gibt es eine Bootstour zur "Lady Musgrave Island", eine der Koralleninseln am südlichen Ende des Great Barriere Reef. Nachdem die Wetterkonditionen gut standen für Samstag und noch wenige Plätze frei waren, durfte ich nocheinmal die wunderbare Gelegenheit wahrnehmen im Great Barriere Reef zu tauchen und schnorcheln. Während Willi die Kinderbetreuung für den Tag übernahm, hatte ich mein bisher beindruckendstes Taucherlebnis.

Um 8 Uhr morgens ging es los, nachdem mich meine Lieben am Hafen abgesetzt haben ging es für ca. eineinhalb Stunden auf eine relativ unruhige Seefahrt zur 65 Kilometer entfernten Insel. Während der Fahrt erfuhren wir gleich wissenswertes über die Insel, Seevögel und natürlich das Leben unter Wasser im Korallenriff. 

Nachdem wir in der Lagune auf einer Plattform angelegt hatten, musste ich mich gleich bei der Tauchlehrerin melden, weil die Taucher fuhren gleich auf einem Boot weiter, wieder zurück aufs offene Meer an den Rand des Riffs. Glücklicherweise waren unter den über 100 Passagieren des Bootes nur 3 Tauchkunden, und auf uns 3 kamen 2 Begleiter, die Instruktorin und auch noch eine Divemasterin. Das war auch gut so, weil die Konditionen am Meer waren im Bezug auf Sicht zwar super, aber es war eine starke Strömung, so war die Divemasterin damit beschäftigt unsere Position mithilfe einer Boje für den Bootsfahrer ersichtlich zu machen, während die Instruktorin uns zu den besten Plätzen führte. 

Es war einfach unglaublich für mich, zum ersten Mal sah ich Meeresschildkröten in ihrem natürlichen Habitat und konnte ein bisschen mit ihnen schwimmen. Es war faszinierend wie diese riesigen Geschöpfe grazil durch die Meerestiefen gleiten. Auch riesige Mantarrochen und  einen Tigershark konnte ich bestaunen, neben all den anderen Fischarten und Korallen. Zurück an der Plattform gab es dann ein Mittagsbuffet zur Stärkung und danach sprang ich noch schnell ein bisschen zum Schnorcheln in der Lagune was auch ganz wunderbar und beeindruckend war. Soviele bunte Fische und auch der Korallengarten war wunderschön. 

Weiter ging es mit einem "Glas-Bottom-Boat" zur Lady Musgrave Insel, wo wir eine geführte Wanderung durch dieses wunderbare Habitat für Seevögel bekamen. 

Die Insel ist eine Koralleninsel, die aus dem Riff entstanden ist, und es ist eigentlich ein Wunder, dass darauf auch etwas wächst, weil das Klima sehr harsch und unwirtlich ist. Über tausende von Jahren haben sich aber immer wieder Samen, die im Gefieder der Seevögel waren, auf der Insel manifestiert und so manche haben es geschafft zu einem Baum zu werden. Vorwiegend handelt es sich um den Pisonia Baum, der heute die Insel mit einem richtigen Wald bedeckt. Dieselben Vogelarten die einmal die Samen des Baumes gebracht haben nützen nun auch die Insel zum nesten. In den Sommermonaten ist Lady Musgrave mit tausenden dieser Vögel, die hier ihre Jungen ausbrüten, bewohnt. Der Vogelmist düngt wiederum die Bäume und somit ist die symbiotische Beziehung hergestellt. 

Eine weitere Attraktion der Insel ist, dass die Meeresschildkröten auch hierherkommen und ihre Eier vergraben, und dann in den Sommermonaten nachts die kleinen Schildkröten schlüpfen und ihren Weg zum Meer machen. Es war eine sehr interessante Führung die uns auch zum wilden Campingplatz der Insel brachte. Campen sei sehr billig auf der Insel nur 6 Dollar pro Person pro Nacht, das Problem sei jedoch der Transfer, der kostest beinahe 200 Dollar in eine Richtung. Somit erklärt sich auch warum  es dann doch  nicht soviele Leute sind, die hier campen. Wer aber das Reef  und die Natur liebt und genügsam in Bezug auf Unterkunft und Verpflegung ist, der findet hier das Paradies auf Erden, da bin ich mir sicher. 


Am Strand entlang ging es zurück zum Glasboden-Boot, und wir konnten nocheinmal die wunderbaren Muscheln und Korallen bestaunen, aus denen der "Sand-Strand" der Insel besteht, einfach ein Traum. Wir sahen auch eine Gruppe Jugendlicher an der Küste schnorcheln, es war eine Schulklasse die eine Schul-Expidition auf die Insel machten, das auch das Thema ihrer Abschlussarbeit war. Durch den Glasboden konnten wir auch noch ein paar Fische und Korallen bestaunen, doch war es kein Vergleich zum Tauchen und schnorcheln, also hab ich auch die letzte halbe Stunde auf der Plattform nochmal genutzt um zu Schnorcheln und mir so dieses wunderbare Erlebnis hoffentlich noch länger in Erinnerung behalten zu können. 

Die Rückfahrt war sehr unruhig, da es sehr windig wurde. Schon am nächsten Tag sollte es nicht möglich sein zur Insel zu fahren, weil das Wetter sich schnell verschlechterte und Willi musste somit mit meinen Erzählungen leben. Im Hafengebiet von 1770 angekommen wurde es dann wieder ruhiger am Wasser und das Schiff konnte uns sicher wieder absetzen. Willi und die Kinder warteten schon auf mich und wollten natürlich vor allem über die Schildkröten, Rochen und Haie alles genau wissen. Sie selber hatten auch einen tollen Tag am wunderschönen Strand und am Spielplatz. Als Überraschung gab es noch ein tolles Sonnenuntergangs-BBQ in 1770 bevor wir alle müde zurück zu unserem Campingplatz fuhren. 

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